
Camilla und der neue Stall
Camilla und der neue Stall
Ich werde Camilla von meinen Zweibeinern genannt und lebe seit
vielen Jahren auf diesem Hof. Als Kalb kam ich mit meiner Mutter
und Tanten auf den Hof und entdeckte den ersten Sommer und
das kleine Tal in der Oberlausitz.

Heute möchte ich berichten, wie es sich im
Winter auf dem Hof lebt.
Die ersten Jahre verbrachten wir im Kuhstall des Hofes.
Ein Gebäude, welches vor über einhundert Jahren errichtet wurde
und wo es für lange Zeit die Heimstatt von Milchkühen war.
So wie es damals üblich war, standen sie angebunden auf
Mittellangständen und erhielten ihr Futter und Wasser auf
schmalen Futtergängen.
Später erleichterte eine Melkmaschine das bisher vorherrschenden
Handmelken und eine Mistbahn entlastete die schwere Arbeit beim
Ausmisten.
Im Sommer grasten die Milchkühe auf den Weiden und konnten die
Zeit so genießen wie wir jetzt.
Doch alles hat seine Zeit, die Milchkühe verließen den Stall und die
Weiden harrten ihrer Dinge.
Mit unserer der Reise in die Oberlausitz bekamen die Weiden wieder
eine Zweckbestimmung und der Stall im Winter Bewohner.
So sah der Kuhstall vorher aus
Unserer Zweibeiner gestalteten den Stall mit einfachen Mitteln
zu einem Laufstall um.
Wo früher 20 Milchkühe angebunden standen, wurde ein
Winterquartier für fünf Muttertiere geschaffen.
Wir hatten im Winter ein trocknes und warmes Quartier und den
Auslauf im Obstgarten genossen wir sehr.
Der alte Stall machte aber auch viel Arbeit für die Zweibeiner,
denn das Ausmisten war weiterhin mit Handarbeit verbunden.
Wasser musste mit einem Schlauch wöchentlich in
einen Vorratsbehälter gepumpt werden.
Der so entstandene Tieflaufstall benötigte viel Stroh
und produzierte daher ebenfalls viel Mist.
Und dann war wieder die Handarbeit. Da unserer Zweibeiner auch
nicht jünger wurden, beschlossen sie den Stall umzubauen.
Dafür steckten sie all ihr Wissen, ihre Wünsche und mehr
in diesen Stall.
Nun schaut euch diesen „Zebu-Stall“ an.
Wir haben weiterhin viel Platz. Einen eigenen Schlafbereich.

Wasser steht durch die eingebauten Tränken
ständig temperiert zur Verfügung.

Ein breiter Futtergang ermöglicht die Bevorratung mit Heu
auch für mehrere Tage.
Der erhöhte Freßgang wird täglich gereinigt.
Es gibt auch noch zwei Abteile, mit denen wir zuerst gar nichts
anfangen konnten.
Später erkannten wir den Sinn dieser Bereiche.
Es ist die Abkalbebox und ein Raum mit Kälberschlupf, darin können
sich unserer Kälber zurückziehen und schlafen.

Das schmackhafte Heu fällte von der Decke
und der Stall wird hell erleuchtet in der dunklen Jahreszeit.

Der schönste Stall der Welt
Besonders mögen wir das farbige Licht, welches in
der Nacht den Stall ausstrahlt.
So können wir beruhigt zu Futtertisch gehen,
ein paar Bissen zu uns nehmen und danach wieder
unseren Schlafbereich aufsuchen.
Ich schaute unseren Zweibeinern in die Augen und dachte, dies ist der
schönste Stall in der Welt.
Ein Zweibeiner schaute mich länger an und
schien meine Gedanken zu lesen.
Er sagte auf einmal: „Es ist der zweitschönste Stall in der Welt“.
Ich schaute ihn erneut und verwundert an.
Dann sprach er: „Den schönsten Stall habt ich noch nicht gefunden,
den such ich noch“.
„Camilla“ sagte ich mir: „… verstehe die Menschen?“

Heuernte
Heuernte
Damit wir auch im Winter etwas zu fressen haben, müssen meine Menschen Heu ernten.

Dazu wird das Gras auf unseren Wiesen erst gemäht,
dann mit dem Sammelwagen aufgelesen
und mit dem Gebläse auf den Stallboden gebracht.

Das macht ganz schön viel Arbeit, aber es lohnt sich.
Wie Ihr sehen könnt, schmeckt es uns sehr gut.



Meine Herde
Meine Herde
Da ich von Anfang an sehr fleißig war, konnte ich schon nach einem Jahr mein erstes eigenes Kälbchen, einen Sohn, begrüßen.
Er sieht mir sehr ähnlich, besonders durch die weiße Fellfarbe.
Darauf bin ich sehr stolz.

Letztes Jahr wurden 5 Kälbchen geboren.
Weil die Herde immer größer wird, würden einige von meinen Mädchen gern umziehen
und suchen deshalb neue Menschen die auch das Glück haben wollen,
mit uns zusammen zu leben.

Von uns kann man nämlich viel lernen,
z.B. wie man ein harmonisches Familienleben gestaltet.
Unser Highlight ist die Kommunikation, vor allem die Nonverbale.
Die ist uns, wie auch unseren Menschen, angeboren.
Nur wissen wir noch, wie sie funktioniert.
Unseren Menschen müssen wir deshalb manchmal auf die Sprünge helfen,
damit sie uns auch verstehen.
Aber sie sind ja lernfähig.
So ein bisschen Kuhverstand kann nie schaden…